Zeit zum Ernten, Zeit zum Erden

Heute beginnt der Herbst. Bucheckern und braune Blätter knirschen unter meinen Füßen. Die Nacht hat den Tag eingeholt, und ich lege zum ersten Mal in meinem Leben Rote Bete ein.

In meiner Küche türmen sich Äpfel aus unserem Garten. Manchmal finde ich eine Birne im Gras, die noch keinen Bewohner angelockt hat. Und neulich abends kullerten vor meinem Fenster Mirabellen die Straße hinab. Ich ging hinaus auf der Suche nach der Quelle. Im Licht des dunkelgelben Vollmonds fand ich den Mirabellenbaum, direkt hinterm Haus; er war dabei, das Auto meiner Vermieter mit goldenen Kugeln zu umstreuen. Nun esse ich frische Mirabellen zum Müsli und Mirabellenkuchen am Nachmittag. Wie schön, wenn einem die Früchte in den Schoß fallen, sogar ohne Gartenarbeit!

Seit ein paar Wochen stehen hier an den Landstraßen auch viele kleine Buden, in denen Gartenbesitzer ihre Ernte für wenig Geld zum Mitnehmen anbieten. Im Nachbardorf habe ich mich neulich mit der Roten Bete eingedeckt, dazu Lauch, Tomaten und Zucchini, alles besser und billiger als im Supermarkt. Auf der anderen Straßenseite gibt es Eier und Kartoffeln, und die Kinder meiner Nachbarn verkaufen Apfelmost, seit ihr Kirschbaum nichts mehr hergibt. Eine größere Auswahl an Gemüse und Fleisch bieten die Hofläden, die über die Insel verstreut liegen, und neulich war an der Kirche Erntemarkt, wo ich mich mit Marmelade und Sirup für die nächsten Monate versorgt habe.

Mir ist gerade viel mehr nach Ernten und Einmachen als nach Schreiben, Rechnen und anderer Kopfarbeit. Vielleicht ist das wieder eine der vielen Vermeidungsstrategien, die sich mein Unterbewusstsein ausdenkt, um mein finanzielles Vorankommen und andere messbare Erfolge zu verhindern. Vielleicht brauche ich einfach diese geruhsame Tätigkeit nach der Arbeit in der Touristensaison. Oder es ist das Landleben, das mich nach drei Jahren endlich im Griff hat: Ich spiele doch tatsächlich mit dem Gedanken, den Garten nächstes Jahr systematischer zu nutzen, vielleicht mal ein Beet anzulegen, den Stachelbeerbusch zu retten … oder wenigstens am Fensterbrett Kräuter zu ziehen, wenn für mehr die Ausdauer nicht reicht.

Ein jegliches hat seine Zeit, sagte schon der Prediger Salomo. Pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit.

Bilanz ziehen hat seine Zeit, hätte er vielleicht in heutiger Management-Sprache geschrieben.

Ich glaube, ich brauche diese Phase des Sammelns, des Verarbeitens, um auch mein Leben zu betrachten und was ich damit machen will; um meine Gedanken zu ordnen, mich zu erden, einen Vorrat anzulegen an guten Dingen, mit denen ich weiterarbeiten will. Ob das nun Jobs sind, die mich ernähren, oder Menschen, die mich erfreuen; Stoffe, die ich vernähe, oder Ideen, aus denen ich Geschichten entwickle. Vielleicht kann man in der Küche ganz nebenbei Romanfiguren einlegen, Handlungsstränge vermischen und aufgehen lassen, Stilelemente kleinhacken und drüberstreuen. Ich glaube nämlich, es gärt in mir🙂

Sobald der Garten leergeerntet ist, sobald in meine Küchenschränke nichts Neues mehr passt, setze ich mich wieder an den Schreibtisch. Dann sind die Abende lang, der Nebel quillt über den Feldern, ich öffne meine Vorratsbehälter und schreibe los.

Einen schönen Herbst und eine gute Ernte euch allen!

Musik als Muse

Gestern wollte ich endlich an meinem Roman weiterarbeiten. Dutzende Ideen warten schließlich darauf, geordnet und ausformuliert zu werden. Aber nach mehreren Monaten Sommerjob war ich müde. Ich hörte Musik und driftete ab. Und so endete der Abend mit einer Shoppingtour auf Amazon, wie schon so manche Abende vorher. Doch ich hoffe, dass diese Einkäufe mich später beim Schreiben unterstützen werden. Denn ich kaufte Musik, noch mehr Musik. Und Musik hilft mir beim Schreiben, ganz allgemein oder auch für bestimmte Zwecke. Hier eine Auswahl meiner Lieblingsstücke:

Treppenhaus Stift MelkGeorg Friedrich Händel: „The Messiah“
Der grüne Tee in meiner Musiksammlung, denn klassische Musik fördert die Konzentration. Mit über zwei Stunden Spielzeit ist das Oratorium lang genug, um komplexe Produktbeschreibungen für meinen Kunden zu bearbeiten. Leider werde ich das Stück bei keinem Konzert mehr genießen können, ohne dass vor meinem inneren Auge Tabellen und Bullet Points erscheinen. Eine ähnliche Wirkung hat auf mich z. B. die „Johannespassion“ von Bach. Beides funktioniert aber nur, weil ich die Stücke schon längst in- und auswendig kenne, so dass mich der Text nicht mehr ablenkt.

Feuerwerk in ChinaMichael Gioacchino: „Super 8“
Diesen Tipp habe ich von der Website eines anderen Schriftstellers und wenn ich noch wüsste, von wem, würde ich mich überschwänglich bei ihm bedanken. Ich habe mir angewöhnt, die Filmmusik zu hören, wenn ich Romanszenen aus der Sicht meines Protagonisten entwerfe. Inzwischen sehe ich die Welt schon aus seinen Augen, sobald die ersten Takte laufen! „Super 8“ ist die Cocktailkarte in meiner Kollektion: Die Stücke versetzen mich in ganz unterschiedliche Stimmungen, meist schwingt etwas Unheilvolles und Dringliches mit. Ähnlich gut funktioniert die Filmmusik zum „Herrn der Ringe“ von Howard Shore – nur dass ich hier der Versuchung widerstehen muss, alle paar Seiten Orks durch mein Buch jagen zu lassen.

Glaspalast in IndienAgnes Obel: „Aventine“
Dieses wunderschöne Album wäre die Weißweinschorle in meiner Musikbar, und seit dem ersten Hören assoziiere ich es mit einer weiteren Hauptfigur meines Romanprojekts. Klaviertöne wie glitzernde Glasperlen, schwingende Saiten und eine Stimme, die Felsen vibrieren lassen könnte – Obels Musik malt meine Fantasy-Insel vor mein inneres Auge, so, wie sie meine Protagonistin liebt. Sie ist Glaserin und rein zu Recherchezwecken habe ich vor Kurzem ein Album mit Glasharmonika-Musik angeschafft: William Zeitler, „Music of the Spheres“. Auch das ist so schön, dass ich den ganzen Abend in Insel-Erscheinungen schwelgen könnte, statt sie endlich verständlich aufzuschreiben🙂

Statuen in KärntenHerbert Howells: „Requiem/Take Him, Earth, For Cherishing“
Natürlich wird meine Romaninsel in ihrer ganzen Schönheit irgendwann untergehen – oder? Das glückliche Leben mancher Figuren wird jedenfalls schmerzvolle Veränderungen erfahren.  Melancholie, Loslassen, Versöhnung und Hoffnung – so eine Stimmung strebe ich gegen Ende meines Buches an. Und finde sie in der o. g. Sammlung englischer Chorwerke von Howells. (Um in der Getränkemetapher zu bleiben: dem Salbeitee mit gaaaanz viel Honig in meiner Sammlung.) Ähnlich ergreifend finde ich auch das „Pater Noster“ von Michael Bojesen, eine sehr moderne Komposition, die für mich nun bis zum Jüngsten Tag mit meiner Kurzgeschichte „Siebenfinger“ verbunden sein wird: helle Stimmen, die aus dem Jenseits rufen …

Habt ihr auch solche Musikstücke, die euch in eine andere Welt versetzen und eure Kreativität beflügeln?

(P. S. Die Fotos haben geografisch oder geschichtlich nichts mit den Stücken zu tun, aber sie versetzen mich in eine ähnliche Stimmung😉 )

 

 

Sportliche Erfolge

Den Nachrichten entnehme ich, dass es bei einem gewissen Großereignis in Südamerika an deutschen Medaillen mangelt.

In aller Bescheidenheit möchte ich daher auf ein paar sportliche Erfolge hinweisen, die ich in letzter Zeit erringen konnte🙂

Dazu muss ich sagen, dass meine früheren Anerkennungen in diesem Bereich übersichtlich waren. Okay, beim Münchner Stadtlauf vor mehreren Jahren gab es Jubel im Publikum, als ich nach weit über einer Stunde ins Ziel einlief kroch. Man dachte allerdings, ich hätte als eine der ersten Läuferinnen die 20 Kilometer geschafft. Nach ein paar Sekunden des Triumphs gab ich klein bei und holte mir als eine der Letzten die 10-km-Urkunde ab.

Immerhin, eine Urkunde! Bei den Bundesjugendspielen war das noch anders. Mein Handstand ohne Hilfestellung wurde nicht gewürdigt, etwas anderes konnte ich nicht. Keine Urkunde, keine Medaille. Kein Erfolgserlebnis.

Ich bin halt von der langsamen Truppe. Doch jetzt, nach jahrzehntelangem Anlauf, ist mir der Sprung aufs Siegertreppchen gelungen. Wenn auch in einem anderen Metier. Letzte Woche bekam ich das gleich vierfach dokumentiert:

Storyolympiade LogoStoryolympiade: „Labyrinthe“

Jawoll, Olympia – ich habe Bundesjugendspiele und Stadtlauf abgeschüttelt und bin bei den ambitioniertesten unter den Amateuren angekommen! Gerade habe ich den Vertrag unterschrieben: meine Kurzgeschichte „Kurven“ erscheint in der Sieger-Anthologie der Storyolympiade 2015-16, beim Verlag Torsten Low. Das Thema lautete „Labyrinthe“.  Die Storyolympiade ist ein größerer Schreibwettbewerb in der Phantastik-Szene: 219 Autoren nahmen diesmal teil, 24 wurden ausgewählt. Zwei nannten ihre Geschichte „Gedankengänge“, darunter ich … mein neuer Titel „Kurven“ zeigt vielleicht noch besser, in welche Richtung es geht …🙂

„Phantastische Sportler“

Auch meine Kurzgeschichte „Der Auswechselspieler“ wird in einer Anthologie veröffentlicht. Das Buch erscheint ebenfalls im Verlag Torsten Low, Herausgeber sind Wolfgang Schroeder und Markus Heitkamp mit Unterstützung der Geschichtenweber. Insgesamt 20 Autoren schafften es in die Mannschaft, 80 Geschichten waren eingereicht worden. Das freut die Sportlerin, die früher niemand in seinem Team wollte! Meinen Protagonisten freut es auch, denn er steht gern im Rampenlicht. Auf acht Beinen. Solange nicht ausgewechselt wird …

Zurück zu den WurzelnMarburg-Award: „Zurück zu den Wurzeln“

Vom Rampenlicht wechseln wir jetzt ins Düstere. Meine bisher horrormäßigste Geschichte, „Siebenfinger“, ist in der diesjährigen Sammlung des Marburger Vereins für Phantastik abgedruckt worden. Hier werden alle eingereichten Geschichten veröffentlicht, dieses Jahr 25. Der Band erschien in kleiner Stückzahl zum Marburg-Con im April und um Kosten zu sparen, habe ich mein Exemplar erst letzte Woche bei einem Deutschlandbesuch abgeholt. Meine Geschichte handelt von gruseligen Gewächsen … auf einem Friedhof im Frühling.

Mütter Anthologie Hg Anja Bagus Edition Roter Drache 2016„Mütter“

Schnell wieder zu den schönen Dingen. Diese anheimelnde Kurzgeschichtensammlung erschien im März bei Edition Roter Drache und jetzt habe ich zum ersten Mal in meiner steilen Autorenkarriere eine Rezension bekommen, die mich namentlich erwähnt. „Abgefahren“ findet Scratchcat vom UnArtMagazin meine Story „Die Stars der Krabbelgruppe“. Das rechne ich mir doch gleich als weitere Medaille an. Denn die Geschichte ist wirklich nur in den ersten Zeilen anheimelnd. Danach entbrennt ein Wettkampf, wie ihn sich nur Mütter liefern können, deren Mundwerkzeuge nicht von dieser Welt sind.

So, ich hoffe, euch ist der Sport jetzt auch so egal wie mir und ihr habt Lust bekommen, schräge Geschichten zu lesen oder selber zu schreiben. Viel Spaß und viel Erfolg dabei🙂

P. S. Mehr zu den Hintergründen der genannten Geschichten findet ihr hier:
Labyrinth des Lebens
Ideen-Invasion
Meine erste Geschichte erscheint!

 

Der 16-Strände-Sommer

Sommer, Sonne … Saisonarbeit. Das waren meine Aussichten im April 2016. Ich beschloss, das ein wenig zu optimieren: Sommer, Saisonarbeit und 16 Strände! Wozu wohne ich schließlich auf einer Insel und jobbe auf der Nachbarinsel?

Kommt mit mir auf Foto-Entdeckungsreise durch Møn und Sydsjælland (Süd-Seeland). Oder noch besser, kommt persönlich hierher! Die Karte am Ende zeigt, wo die Strände zu finden sind. Und sie lässt ahnen, dass ich nächsten Sommer nochmal 16 Strände dranhängen kann🙂

Die besten Blogs für Buchautoren

Im Mai habe ich vier Ratgeber für Romanautoren vorgestellt, die ich immer wieder zur Hand nehme.

Jetzt kommen die besten Blogs für Buchautoren – natürlich wieder aus meiner völlig subjektiven Sicht🙂

Richard Norden:
Autorennewsletter/WritersWorkshop.de

Jeden Samstag freue ich mich, wenn der „Autorennewsletter“ von Richard Norden in meinem E-Mail-Postfach landet. Man kann ihn auf der Seite WritersWorkshop.de abonnieren oder die alten Beiträge auf seinem Blog nachlesen. Norden liefert anschauliche Tipps zum Handwerk des Schreibens, sein aktuelles Schwerpunktthema sind beispielsweise „Protagonisten“:

Eine der häufigsten Fragen rund um Protagonisten ist, wie man Romane mit mehreren Protagonisten schreibt. Die Antwort auf diese Frage gefällt den meisten allerdings nicht: „Nach Möglichkeit gar nicht.“

Diese etwas launisch klingende Antwort hat einen Grund. Die meisten Romane werden besser und stärker, wenn man sich auf einen einzigen Protagonisten beschränkt.

Aber wird das nicht langweilig? (…)

Darüber grüble ich seit letztem Samstag nach … Richard Nordens Ausführungen dazu gibt’s in seinem Artikel „Wie viele Protagonisten kann ein Roman vertragen?“.

 

Stephan Waldscheidt:
Schriftzeit.de

Stephan Waldscheidt hat es im Mai schon auf meine Ratgeber-Empfehlungsliste geschafft, mit seinem Buch Schreibcamp – Die 28-Tage-Fitness für Ihren Roman. Seine Website schriftzeit.de enthält noch viel mehr plakative, anschauliche und überzeugende Schreibtipps. Jeder einzelne davon macht mir Lust, mein komplettes Buchprojekt umzukrempeln und es noch, noch, noch besser zu machen. Zum Beispiel dieser:

Ich bin ein großer Fan von detailreichem Schreiben. (…) Dennoch findet sich in manchen Romanen eine erdrückende Detailfülle bei Beschreibungen. Das können genaue Beschreibungen von Dingen sein, wie etwa die eines Portals, die sich über mehrere Seiten erstreckt (Umberto Eco, »Der Name der Rose«). Oder minutiöse Aufzeichnungen von Abläufen (»Sie hob das rechte Bein, drehte sich auf dem linken um die eigene Achse und trat dem Angreifer mit der ausgestreckten Zehe zwischen die zweite und dritte Rippe von oben. Der Angreifer fiel nach hinten, wischte bei dem Versuch, sich irgendwo zu halten, mit der linken Hand Gläser vom Tisch, und zog mit der rechten gleichzeitig seine Pistole und schnippte mit dem Daumen den Sicherungshebel …«).

Das ist realistisch, oder? In der Realität ist dieses Portal so detailreich, Eco hätte ein ganzes Buch darüber schreiben können statt nur zehn oder zwanzig Seiten. In der Realität sind Bewegungen von Menschen bei einem Kampf so komplex, dass man jeder Kampfsekunde mindestens zwei, drei Sätze widmen müsste, um sie einzufangen.
Die Realität ist: Sie können das Leben nicht einmal ansatzweise erschöpfend beschreiben. Sie schaffen es nicht einmal, auch nur ein Prozent der Wirklichkeit in Ihrem Roman abzubilden. (…)

Also versuchen Sie es gar nicht erst. Jedes Buch hat einen Mechanismus mit eingebaut, der dafür sorgt, dass die Geschichte den Detailreichtum bekommt, den sie braucht, um zu wirken. Man nennt diesen Mechanismus umgangsprachlich auch »Leser«.

Ihre Aufgabe als Autor ist es, Kondensationskerne in den Kopf Ihrer Leser zu pflanzen, aus denen die Story entsteht.

Wie man das anstellt, erklärt Stephan Waldscheidt in seinem Artikel „Realistische Romane schreiben“, aus dem obiges Zitat stammt.

 

Writers Write

Der Blog einer Schreibschule aus Südafrika liefert prägnante Tipps zum Schreiben, gewürzt mit Checklisten, Grafiken und immer viel Humor. Hier ein Auszug aus Mia Bothas Artikel zu der Frage, wie man Schauplatz, Handlung und Dialog geschickt verknüpft:

As I have mentioned, I prefer dialogue to narrative. So much so, I actually skip blocks of description when I read. This is obviously not ideal, but then again neither is my wine habit. And I’m not giving that up either. (…)

How do I include setting detail without inducing a coma with blocks of description? Remember, I love writing that shows. There are authors who excel at telling and who write brilliant, intoxicating descriptions. I don’t. I want stuff to happen. (…)

Consider this example:

“Why did you choose this place?” His nose is scrunched. His upper lip is pulled up at the corner. “It’s very dark in here.”
“You said you didn’t mind where we ate.” She sighs, closing her eyes for a moment.
“Well, I mind now.” He tries to move his chair, but it catches on the thick carpet. “How do they expect you to move your chair?” He tugs it again.
“Do you want to go somewhere else?”
“I’ll survive I suppose,” he says and flicks open the menu. “When in Rome,” he mumbles, “although I suppose Rome would find the association rather insulting.” (…)

Das ausführliche Beispiel findet ihr in Mia Bothas Blogbeitrag „How To Convey Setting In Dialogue – Without Sounding Like A B&B Brochure“.

 

Andreas Eschbach: Übers Schreiben

Andreas Eschbach schreibt natürlich vor allem Bestseller, aber bis 2007 hat er viele Artikel rund um den Schriftstelleralltag verfasst, die er auf seiner Website im Bereich „Übers Schreiben“ archiviert hat. Unterhaltsam, hilfreich und erfrischend desillusionierend:

Zum Thema Schreiben pflegte Georges Simenon zu sagen:

„Wenn Sie im Leben etwas anderes tun können als zu schreiben,
dann rate ich Ihnen: Tun Sie das.“

Dieser Teil meiner Website ist für all diejenigen gedacht,
die sich außerstande sehen, diesen weisen Rat zu befolgen.

Was finden Sie hier? Nicht das x-te Buch über das Handwerk des Schreibens, sondern schlicht und einfach eine Menge Fragen, die mir irgendwann in den vergangenen Jahren per Mail gestellt wurden, samt der Antworten, die ich darauf gegeben habe. Ich habe mich bemüht, das Ganze in Themenbereiche zu untergliedern, aber das kann und soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß es hier so unsystematisch und widersprüchlich zugeht wie im richtigen Leben.

Klingt interessant? Stammt aus Andreas Eschachs gesammelten „Fragen und Antworten“, mit denen man sich wunderbar vom Schreiben ablenken zum Schreiben inspirieren lassen kann.

Was sind eure Lieblingsblogs für Buchautoren?

Was Bücherschreiber vom Brexit lernen können

Ich bin eine Träumerin. Jahrelang verfolgte ich mein Romanprojekt und nicht das Weltgeschehen. Dabei könnte gerade das Weltgeschehen jedes Romanprojekt weiterbringen. Bestseller dank Brexit – so geht’s:

Brexit Bestseller 05Die klare Botschaft bringt’s
„Jede Woche 350 Millionen Pfund mehr für das britische Gesundheitswesen!“ Mit solchen plakativen Versprechen kann man öde EU-Vorschriften, -Verflechtungen und ihre Folgen locker übergehen und dem Publikum helfen, sich schnell eine Meinung zu bilden. Wir alle brauchen  Orientierung in dieser faktenüberfrachteten Welt!

Komplikation für Politiker: Einzelne Nervensägen werden hinterher nachbohren, wie diese Versprechen nun umzusetzen seien. Aber als Buchautor? Nur los! „Wenn Mathilda ihren Greg kriegt, wird ihr Leben endlich gut!“ Ein paar Kapitel Spannung, dann: Sie kriegt ihn und alles wird gut. Das Buch ist zu Ende; spätere Details wie Ehekrisen, Kindergeschrei und Rentnerelend kümmern niemanden. Die Leser(innen) sind happy und kaufen dein nächstes Buch.

Brexit Bestseller 02Polarisieren mit Personen
Warum ist David Cameron gescheitert? Wie tickt Nigel Farage und was wird er erreichen? Wie wirkt sich der Brexit auf Leute aus, an denen mir liegt – meine englische Freundin, deren Urlaub gerade viel teurer geworden ist; meine deutsche Klassenkameradin, die seit Jahrzehnten in London arbeitet;  mich selbst und andere Nomaden, wenn in weiteren Ländern die Anti-Stimmung steigt? Ich brenne darauf, es zu erfahren!

Bis dahin schreibe ich weiter. Baue packende Protagonisten und aufregende Antagonisten auf, bringe sie in Schwierigkeiten, zwinge sie, ihr Leben zu hinterfragen. Damit die Leser mit (und vor) ihnen zittern, bis sie wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Brexit Bestseller 04Initialzündung statt Infodump
Beitrittsverhandlungen der EU … Vorschriften und Verflechtungen … gähn. Das war bisher der Punkt in den Nachrichten, wo jeder Fernsehzuschauer zum Fußball überwechselte. Heute dagegen: Hilfe! Großbritannien tritt aus! Wie lauten die Vorschriften für so einen Fall? Wie eng sind wir überhaupt mit denen verflochten? Wird Schottland sich nun doch noch lossagen und der EU wieder beitreten? Superspannend, wollen wir wissen!

Was lernen Bücherschreiber vom Brexit? Langweile den Leser nicht mit Hintergründen. Dynastien, Gesetze und Wirtschaft deiner Romanwelt interessieren erstmal keinen. Beginne mit einem Knaller – der König wird ermordet, eine Mannschaft meutert, die Heldin entdeckt, dass sie adoptiert ist. Der Leser ist alarmiert und legt dein Buch nicht mehr aus der Hand. In der folgenden Handlung kannst du die Hintergründe einbauen, nicht als statische Beschreibung der Vergangenheit, sondern als heiß machende Hinweise auf künftige Entwicklungen.

Beflügelt der Brexit auch eure Fantasie?

Im Land der Elfen

In dieser Woche ist Mittsommer, Sommersonnenwende. In Dänemark feiert man sie an Sankt Hans Aften, dem Vorabend von Johanni.  Die Nächte sind licht, man zündet große Feuer an, und viele sagen, dass nach Einbruch der Dämmerung die Elfen an die Oberfläche kommen und auf den Wiesen tanzen.

Gegenüber von meinem Fenster liegt ein alter Steinwall, dahinter erstreckt sich ein langes Feld. Schon oft habe ich am Schreibtisch gesessen und überlegt, was für eine Welt sich zwischen den Steinen, unter dem Korn verbirgt. Ich glaube, dort wohnen die Elfen, und in Nächten wie diesen kommen sie heraus und tanzen im Mondschein. Heute tun sie das ganz sicher, denn es ist Vollmond. Ich bin in der Dämmerung hinausgegangen und habe sie eingeladen, in die Welt der Menschen, in unseren Garten und auch in meine Bücher.

Abendausblick Bakkegaard Møn

Wenige Glückliche können aus unserer Welt in die Welt der Elfen gelangen. Unsere Hofkatze zum Beispiel. Sie ist vor gut einem Jahr verschwunden. Ich hatte sie davor öfter am Steinwall gesehen und bin mir sicher, sie ist nun bei den Elfen. Unter dem Feld feiern sie das ganze Jahr Feste, der Katze geht es dort gut.

Im Gespräch zwischen dem Steinwall und mir, angestoßen von der neugierigen Katze, entstanden letztes Jahr auch die ersten Kapitel eines Kinderbuches. Es ist ein Versuch, mal etwas ohne Plan zu schreiben, ohne ständiges Verbessern, einfach nur dem folgend, was ich um mich herum spüre und sehe. Die Geschichte beginnt direkt vor meinem Fenster:

Merle und Lisa im Land der Elfen

Wenn es regnet, werden die Steine auf der anderen Straßenseite durchsichtig.
Die graurote Oberfläche verschwimmt, und es erscheinen Zeichen und Schriften, Spalten und kleine Türen in eine andere Welt.
Wer weiß, in welche Spalten er greifen muss, der kann den richtigen Stein öffnen und einsteigen, in die Welt der Elfen, in das Land der Anderen, die unter dem Feld wohnen, das der Steinwall zur Straße hin abschließt. Die Katze kennt diese Welt, sie braucht keine Spalten zu öffnen, sie kann auch so durch die nassen Steine schlüpfen und die Elfen besuchen, die sie streicheln und ihr vorsingen und ihr von dem Beerensaft zu trinken geben, der den Bauch so schön wärmt. Dann schläft sie eine Nacht und einen Tag, und dann kehrt sie zurück ins Leben. Zurück in ein neues Leben, denn als Katze hat man sieben davon, da kann man auch zwei oder drei Leben bei den Elfen lassen, wenn man dafür warmen Beerensaft bekommt.
Aber Menschen finden den Weg nicht so leicht, und wenn sie ihn gefunden haben, kehren sie nicht mehr zurück.
Außer Merle. Merle fand den Weg zu den Elfen, und sie kehrte auch wieder zurück. Doch sie war eine Andere geworden, und sie sah die Welt danach anders, und nicht nur bei Regen.

Vielleicht flüstern mir die Elfen heute ein, wie es weitergeht.
Wenn sie fertig getanzt und gefeiert haben.
Viel kann geschehen in diesen magischen Nächten.

In diesem Sinne – mittsommerliche Grüße aus Møn!